Ausstellung "FAMILIENBANDE" auf Schloss Filseck

Zeitraum
08.08.2025 - 19.10.2025
Ort
Schloss Filseck, Galerie im Ostflügel

Beschreibung

Porträts der Zusammengehörigkeit im Wandel der letzten 100 Jahre

Die neue Ausstellung in der Galerie im Ostflügel widmet sich einem Thema von zeitloser Aktualität: Familie. Unter dem Titel Familienbande – Porträts der Zusammengehörigkeit im Wandel der letzten 100 Jahre eröffnet sie einen vielschichtigen Einblick in die künstlerische Auseinandersetzung mit Zugehörigkeit, Nähe und familiären Rollenbildern – von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart. Zu sehen sind Gemälde, Grafiken und Fotografien, die den Wandel familiärer Vorstellungen im Spiegel gesellschaftlicher, politischer und kultureller Umbrüche nachvollziehbar machen.

Ein frühes Beispiel liefert Fritz Steisslingers Lithografie Familienbild im Atelier (1929). Die Szene einer fünfköpfigen Familie im Atelier zeigt eine Momentaufnahme inniger Gemeinschaft – realistisch, ungeschönt und fern von idealisierter Darstellung. Steisslinger gelingt damit ein Bruch mit traditionellen Familienporträts und der Übergang zu einer modernen Sicht auf Familie.

Wilhelm Hallers Gemälde Die Familie (1933) hingegen spiegelt die Spannungen einer Zeit im Umbruch. Ernst, dicht komponiert und in gedeckten Farbtönen gehalten, vermittelt das Werk eine Atmosphäre von Nähe und Bedrängnis. Entstanden im Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme, steht es für die künstlerische Reflexion gesellschaftlicher Unsicherheit – nüchtern, sachlich, im Geist der Neuen Sachlichkeit.

Die Ausstellung reicht jedoch weit über klassische Familiendarstellungen hinaus. Sie zeigt alternative Formen des Zusammenlebens, geprägt durch Wahlverwandtschaften, gemeinsame Werte oder politische Überzeugungen. So etwa in Annette Kelms fotografischer Arbeit Jeansbutton (2023): Eine Jeansjacke, über und über mit politischen Buttons versehen – von „Keep Abortion Legal“ bis „End Racism“ – wird zur symbolischen Oberfläche eines neuen Familienbildes. Kelms Werk steht für ein erweitertes Verständnis von Zugehörigkeit: queer, feministisch, antirassistisch und solidarisch.

Ob intime Momentaufnahmen oder symbolisch aufgeladene Kompositionen – die gezeigten Werke erzählen vielstimmige Geschichten von Nähe und Distanz, Wandel und Kontinuität. Sie machen deutlich: Familie ist kein statisches Konzept, sondern formt sich immer wieder neu – im Dialog mit gesellschaftlichen Entwicklungen und persönlichen Lebenswelten.

Künstler*innen:
Helmut Baumann, Holger Bunk, Marc Chagall, Kyungwoo Chun, Otto Dix, HAP Grieshaber, Wilhelm Haller, Gundel Kilian, Ulrich Klieber, Käthe Kollwitz, Annette Kelm, Hanna Nagel, Reinhold Nägele, Peter Puklus, Auguste Renoir, Martin Rosswog, Judith Samen, Ernst Schrom, Ré Soupault, Fritz Steisslinger, Günter Schöllkopf.

 

Sie sind herzlich eingeladen, sich die Ausstellung anzuschauen.

ÖFFNUNGSZEITEN DER GALERIE IM OSTFLÜGEL:
Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen 13.00 bis 17.00 Uhr. Eintritt frei.

*Titelbild: Fritz Steisslinger, Familienbild im Atelier, Lithografie, 1929, Sammlung Kunsthalle Göppingen

Weitere Informationen

Zum Flyer (pdf)